Finkenvögel (Fringillidae)
Finken sind mit kegelförmigem Schnabel, recht langem Schwanz und hohem Scheitel ausgestattet. Alle Arten zeigen auffällige, charakteristische Flügel- und Schwanzzeichnungen. Das Männchen ist bunter als das Weibchen. Ihre Verbreitung erstreckt sich über Europa, Nordafrika zum mittleren Osten bis hin nach Mittelasien. Offenes Waldland mit Laubbäumen, Gebüsch mit angrenzenden Krautflächen und Gärten sind ihre Lieblingsplätze.

Pyrrhula pyrrhula
Der Gimpel
(Pyrrhula pyrrhula)

Vogelart Biotop Brutpaare/Biotop Optimales Biotop
Buchfink Baum 101 bis 500 501 bis 2500
Girlitz Gehölz 101 bis 500 101 bis 500
Grünfink Gehölz 101 bis 500 501 bis 2500
Stieglitz Baum 101 bis 500 101 bis 500
Bluthänfling Gehölz 101 bis 500 101 bis 500
Gimpel Baum 1 101 bis 500
Kernbeißer Baum 5 bis 20 101 bis 500

Carduelis cannabina Carduelis chloris Cocothraustes cocothraustes Carduelis cardualis
Bluthänfling
(Carduelis cannabina)
Grünfink
(Carduelis chloris)
Kernbeißer
(Cocothraustes cocothraustes)
Stieglitz
(Carduelis cardualis)

Kurzporträt: Der Buchfink (Fringilla coelebs)
Buchfinken übertreffen in Mitteleuropa sicherlich noch Haussperlinge und Amseln an Zahl. Sie brüten fast überall, wo es Bäume oder Hecken gibt - in der offenen Parklandschaft wie im tiefen Forst, vom Tiefland bis ins Hochgebirge. Nur in den Vorstädten trifft man sie weniger als Amseln und Rotkehlchen. Im Winter suchen sie in großen Scharen mit anderen Finken, Ammern und Sperlingen ihre Nahrung auf Äckern und Stoppelfeldern. Manchmal bilden sie gewaltige Schwärme, die überwiegend aus Buchfinkenmännchen oder -weibchen bestehen.
Schon Ende Februar oder im März beginnen Buchfinken zu singen. Der Finkenschlag, eine schmetternde Kaskade heller Pfeiftöne, endet in einem Schnörkel. Als vor allem in Mitteldeutschland der Vogelfang noch gang und gebe war und man auf gute Schläger Wert legte, hat man es auf Vögel abgesehen, die am Schluß besondere Varianten wie den Schnapper oder Reitzug brachten. In Mitteleuropa kann man verschiedene Dialekte des Buchfinkenschlags unterscheiden. Solche Dialekte sind auch an dem sogenannten Regenruf oder Rülschen des Männchens festzustellen. Meist klingt dieser Ruf wie "wried" oder "trief", in Norddeutschland aber wie das "huit" des Gartenrotschwanzes und im Südschwarzwald wie "tititüt".
Beide Partner bauen in Hecken, Büschen oder Astgabeln ein kunstvolles napfförmiges Nest aus Moos und Flechten, das mit Wolle, Haaren und Federn ausgelegt wird. Das Weibchen legt ab April bis Anfang Juni meist 4-6 weißliche, rotbraun gefleckte Eier, die es allein in 12-14 Tagen ausbrütet. Die Nahrung besteht aus Samen, Bucheckern, Körnern und Knospen, zur Brutzeit vor allem aus Insekten.

Kurzporträt: Der Grünfink (Carduelis chloris) Den Grünfink oder Grünling trifft man fast nur noch in der Nähe menschlicher Siedlungen, während der Brutzeit besonders in den Vorstadtgärten sowie in Hecken und Buschwerk am Dorfrand. Für diese Anhänglichkeit sind die dickschnäbligen Körnerfresser reich belohnt worden. Seitdem sie genügend Futter an den Winterfutterplätzen finden, haben sie sich stark vermehrt. Sie kommen in Scharen an den Futterplatz und lassen dabei ständig ihre klingenden Lockrufe hören. Grünlinge nisten gern in Büschen. Da sie zweimal, zuweilen dreimal brüten, findet man sogar noch im August oder Anfang September Junge in ihren Nestern. Im Winter suchen sie manchmal im Gefolge anderer Finken oder Ammern ihre Nahrung auf Stoppelfeldern und Ödflächen. Wird eine solche Schar aufgescheucht, schwirrt sie plötzlich unter heftigem Flügelschlagen hoch. Sie fliegen wellenförmig auf- und abgleitend, weil sie ihre Flügel für einen kurzen Augenblick ganz geschlossen halten. Wie alle geselligen Vögel gibt der Grünling mannigfaltige Laute von sich: zur Brutzeit das charakteristische nasale "schrüäh", das ihm den Namen Schwunsch eingetragen hat, im Flug das klingende "gügügü", von Baumspitzen aus eine kanarienvogelartige zwitschernde Melodienfolge, in die er Lockrufe einflicht.

Kurzporträt: Der Girlitz (Serinus serinus) Noch im Mittelalter war dieser kleine grünliche Vogel, ein naher Verwandter des Kanarienvogels, vor allem im westlichen Mittelmeergebiet zu Hause. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts begann er nach Mitteleuropa vorzudringen. Zunächst erschien er am Westfuß der Alpen und breitete sich im ganzen Rhonebecken aus, drang gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch die Burgundische Pforte in Südwestdeutschland ein, gelangte durch das Oberrheintal ins Rhein-Main-Gebiet, neckaraufwärts nach Württemberg und über die Ostalpen und Österreich donauaufwärts nach Bayern. Um 1875 erreichte er Warschau, 1880 Berlin und Koblenz, um 1903 Köln und Padeborn. Nach anderthalb Jahrhunderten hatte er sich in ganz Mitteleuropa niedergelassen, und um 1942 wurde der erste Nestfund in Schweden, 1948 in Dänemark gemeldet. Inzwischen haben klimatische Faktoren seiner Ausbreitung Halt geboten. Freilich hätte der Girlitz ohne Mithilfe des Menschen nicht so rasch vordringen können, denn die immergrünen Pflanzen, für die dieser Mittelmeervogel eine Vorliebe hat, fand er vor allem in den Parks und Friedhöfen der Städte. Seinen Gesang, ein schnelles sirrendes Schwirren, läßt er gern von einer Baumspitze oder einem Telegraphendraht hören. Sein Balzflug ist fledermausartig.
Der Girlitz baut sein Nest, einen dicht verfilzten tiefen Napf aus Würzelchen, Bast, Blättern und auch Flechten, auf Bäumen in 2-4 m Höhe. Die Mulde polstert er mit Pflanzenwolle und Federn aus. Die Nahrung besteht aus allerlei kleinen Sämereien, zarten Spitzen und Trieben.

Kurzporträt: Der Gimpel (Pyrrhula pyrrhula)
Der Gimpel ist zwar ein hübscher Vogel, hat sich aber dennoch in vielen Gegenden unbeliebt gemacht, weil er vor allem zwischen Januar und April, wenn er sonst wenig Nahrung findet, die Knospen von Obstbäumen und Ziersträuchern abzwickt. Dazu eignet sich sein kurzer, abgerundeter Schnabel mit den besonders scharfen Schneidekanten sehr gut. Doch auch in ausgesprochenen Obstbaugebieten ernährt sich der Gimpel vor allem von zahlreichen Wildkräutern und Baumsamen. Wegen der schwarzen Kopfkappe und der rosaroten Brust des Männchens wird der Gimpel auch Dompfaff genannt. Das Weibchen sieht wie eine graubrüstige Kopie des Männchens aus. Im Gegensatz zu den meisten kleinen Vögeln trennt sich ein Gimpelpärchen im Winter offenbar nicht. Ob es ein Leben lang zusammenbleibt, wie viele Forscher meinen, läßt sich schwer nachweisen. Gimpel sind relativ scheue Vögel, die sich schnell zurückziehen, wenn ein Mensch auftaucht. Nur ein weiches, verhaltenes Pfeifen, das meist mit "djü" wiedergegeben wird, verrät, wohin sie verschwunden sind. So anspruchslos der Gesang des Gimpels ist, so trefflich versteht es der im Käfig großgezogene Vogel doch, vorgepfiffene Lieder völlig getreu nachzupfeifen. Das Weibchen baut in dichten Hecken, Sträuchern, jungen Fichten und an anderen gut geschützten Stellen ein Nest aus Zweigen, Moos und Flechten. Es legt ab April bis Juli meist 4-5 grünlichblaue, spärlich rotbraun gestreifte und getüpfelte Eier, die es in 12-14 Tagen meist selbst ausbrütet. Beide Eltern füttern die Nestlinge, die nach etwa 14 Tagen flügge sind. Die Nahrung besteht aus Baumsamen, Wildkräutern, Insekten, Spinnen und Beeren, zwischen Spätwinter und Frühsommer häufig aus Knospen von Obstbäumen. Die Jungen werden vor allem mit Raupen gefüttert.

Kurzporträt: Der Stieglitz (Carduelis cardualis)
Der Stieglitz ist mit seiner auffallenden schwarz - weiß - rot - gelben Musterung ein überaus hübscher Vogel. Er war deshalb und wegen seines Gesanges, seiner Verträglichkeit und weil er sich leicht mit Kanarienvögeln kreuzen läßt, früher ein beliebter Käfigvogel. Bei uns heißt der Stieglitz auch Distelfink, denn im Sommer kann man ihn vor allem auf Disteln beobachten, aus denen er mit spitzem Schnabel die Samen klaubt und dabei auch manches Insekt erwischt. Im Mai macht er sich zur Zeit der Baumblüte in den Gärten nützlich, wo er Blattläuse, kleine Fliegen und Käfer vertilgt. Sein Gesang ist eine klingende Variation des häufig wiederkehrenden Flugrufes "stiglitt", dem er seinen Namen verdankt. Man hört das Lied, wenn das Männchen in großen Gärten, Obstgärten, manchmal auch in dichten Hecken oder in lichtem Wald sein Revier abgrenzt. Die Intensivierung des Ackerbaus nimmt dem Stieglitz die Distelfelder. Deshalb sieht man ihn auf Müllplätzen und unbebauten Flächen, wo Disteln wachsen. Beim Balzen hält sich das Männchen stets in der Nähe des Nestes auf, läßt den Kopf hängen, spreizt die Flügel etwas, wiegt sich von einer Seite zur anderen und zeigt dabei seine hellgelben Flügelbinden.
Das Weibchen baut, häufig in einem ausladenden Baum, ein kunstvolles Nest aus Wurzeln, Gras, Moos und Flechten, das es mit Wolle und Pflanzenfasern auslegt. Die Nahrung besteht Samen von Disteln, Kletten, Löwenzahn, Flockenblumen und anderen Wildkräutern, Früchten der Birke, Erle und anderer Bäume. Kleine Insekten (z.B. Blattläuse) werden besonders für die Aufzucht der Jungen verwendet.

Kurzporträt: Der Bluthänfling (Carduelis cannabina) Wegen seines anhaltenden, zwitschernden Gesanges hielt man den Hänfling früher gern in Käfigen. Das hübsche Männchen mit karminroter Brust singt seine Melodienfolgen meist von einem erhöhten Platz auf einem Baum oder Busch aus, manchmal auch im wellenförmigen Flug. Sein Flugruf ist gewöhnlich ein metallisch klingendes Keckern. Manchmal ist auch sein Angstruf "tsuit" zu hören. Bei der Balz gibt das Männchen eine Reihe von tiefen, lieblichen Lockrufen von sich, wobei es mit hängenden Flügeln und gefächertem Schwanz aufgeregt das Gefieder schüttelt. Die geselligen Hänflinge singen sogar im Chor und nisten manchmal in aufgelockerten Kolonien. Im Herbst und Winter fallen sie zusammen mit anderen Finken manchmal zu Hunderten auf Stoppelfelder, Äcker und Wiesen, in Brachland oder öde Küstenstreifen ein, um dort Nahrung zu suchen. Zum Nisten suchen sie sich Gelände mit viel niedrigem Buschwerk aus, häufig ginsterbestandene Fluren, Heidegebiete oder buschiges Hügelland, oft auch große Gärten und Friedhöfe. Mitunter legt ein Kuckuck ein Ei in das Nest eines Hänflings. Die jungen Kuckucke müssen allerdings meist verhungern, weil der Hänfling seine Jungen vor allem mit unreifen Samen füttert. Neben den Grünlingen sind Hänflinge unter unseren Körnerfressern am meisten an pfanzliche Nahrung gebunden. Sie besteht meist aus Wildkrautsamen, auch Getreide, Beeren sowie Knospen.

Kurzporträt: Der Kernbeißer (Cocothraustes cocothraustes) Mit seinem mächtigen Schnabel entwickelt der Kernbeißer beim Zubeißen eine enorme Kraft. Damit knackt er Kirsch-, Schlehen- und Pflaumenkerne, nachdem die reifen Früchte vom Baum gefallen sind. Um das Fruchtfleisch kümmert er sich nicht. Er frißt auch Mehlbeeren, Hagebutten und die Beeren der Stechpalme. Mit seinem Appetit auf junge Erbsen hat er sich schon bei manchem Landwirt unbeliebt gemacht. Der größte Vertreter der Finkenfamilie Mitteleuropas nistet im Laubwald, in Obstpflanzungen, großen Gärten und in buschbestandenem Gelände mit einzelnen Bäumen. Kernbeißer sind heimliche Vögel. Ihren Sitzplatz suchen sie sich im obersten Geäst hoher Bäume. Am Boden hüpfen sie recht unbeholfen einher. Im Winter suchen sie ihre Nahrung in kleinen Gruppen in offenerem Gelände und auch am Futterbrett. Der Gesang des Kernbeißers ist ein leises klirrendes Zwitschern, sein Flugruf ein lautes, scharfes, bezeichnendes "zicks". Bei der Balz plustert das Männchen Kopf- und Brustfedern, knickst und läßt die Flügelspitzen hängen. Auch Schnäbeln mit Futterübergabe gehört zur Balz.
Die Nahrung besteht vorwiegend aus Kernen von Früchten, großen Samenkörnern, manchmal Erbsen, Mehlbeeren und Bucheckern, auch Insekten, besonders hartschaligen Käfern und deren Larven sowie Raupen und Blattläusen.