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| Entstehung des Salzigen Sees ("Sagen des Mansfelder Landes" von B.Winkler 1925)
Als unser Herr Christus noch auf der Erde wanderte, besuchte er auch einmal
die Grafschaft Mansfeld, um zu sehen, was die Leute dort machten. So kam er denn eines Abends in
das Dorf Röblingen und entschloß sich, dort ein Nachtlager zu suchen. Da er annahm, daß die
Wohlhabenden am ehesten bereit sein würden, ihn zu beherbergen, klopfte er an die Tür eines
stattlichen Hauses und bat die Herrin desselben, welche auf sein Klopfen erschien, demütig um
ein Nachtlager. Die Frau wies ihn jedoch mit Scheltworten ab.
Da ging er vor eine nahe
dabei gelegene Hütte, klopfte an und trug auch hier seine Bitte vor. Freundlich ward ihm
aufgetan und aufgetragen, was die Armut vermochte. Zuletzt bereitete die Bewohnerin der
Hütte ein bequemes Lager für die Nacht. Als er nun am anderen Morgen Abschied nahm, sprach er
zu der Wirtin: "Weil du mich so freundlich beherbergt hast, so mag deine nächste Arbeit viel
hundertmal gesegnet sein !" Mit diesen Worten ging er davon. Die arme Frau, welche ihres Gastes
Worte nur für einen zwar wohlgemeinten, aber fruchtlosen Wunsch hielt und überdies nicht gewohnt
war, zu berechnen, ob eine Guttat sich auch lohnen werde, öffnete jetzt ihre Truhe. Sie holte ein
Stück Leinwand heraus, welches sie selbst gesponnen und gewebt hatte, um das Werk ihrer Hände bei
reichen Leuten feil zu bieten. Zuvor jedoch griff sie die Elle, um das Stück auszumessen, damit sie
wüßte, was sie dafür zu fordern hätte. Als sie eine Weile gemessen hatte und dachte, nun müsse doch
wohl das Ende kommen, bemerkte sie zu ihrem Erstaunen, daß das Stück gar kein Ende nehmen wollte.
Sie maß und maß, bis sie kaum noch wußte, wo sie die viele Leinwand unterbringen sollte.
Und als sie darüber nachdachte, wie das doch zugehen möchte, fielen ihr die Worte des Gastes ein,
der vor kurzem von ihr gegangen war. Da merkte sie, daß das kein gewöhnliches Menschenkind
gewesen sein könnte. Sie führte fröhlich ihre Arbeit zu Ende, denn der Erlös aus der Leinwand
sicherte sie für die Zukunft vor aller Not.
Eilig lief sie zu ihrer reichen aber geizigen
Nachbarin, um ihr von der Ware zum Kauf anzubieten. Diese wollte fast vor Ärger platzen, als sie
hörte, was für einen Gast sie gestern abgewiesen; doch schnell faßte sie sich und dachte: "Wenn du
dich beeilst, holst du den Wundermann vielleicht noch ein und kannst ihn bewegen, auch bei dir
Herberge zu nehmen. Dann willst du dir die Gelegenheit, dein Glück zu machen, nicht entgehen
lassen." Gedacht, getan. Sie lief vor das Dorf, erblickte den Fremdling noch in der Ferne,
holte ihn keuchend ein, bat ihm ihr Unrecht ab und ersuchte ihn, doch wieder mit umzukehren und
ihrem Hause die Ehre seines Besuches zu erweisen, damit sie sehe, er habe ihr verziehen.
Der Herr gab auch ihren Bitten nach, wiewohl er wußte, daß nur Neid und Habsucht die Frau bewogen
hatte, ihm nachzueilen. Und als er nun in dem Hause ankam, von dessen Schwelle man ihn gestern
mit Schimpf und Schande zurückgewiesen hatte, da wurde er in Erwartung einer reichen Belohnung
mit allen Ehren bewirtet. Als er am Morgen Abschied nahm, konnte die habgierige Wirtin sich
nicht enthalten, die Bitte auszusprechen, der Herr möge doch auch ihr Tun segnen, wie das
ihrer Nachbarin. "Nun gut", entgegnete Jesus, "so soll denn dein nächstes Tun viel hundertmal
gesegnet sein!" Damit ging er von dannen, während der Mund der gierigen Nachbarin von Worten
des Dankes überfloß.
Bald war sie sich im Reinen, wie sie die Verheißung des
geheimnissvollen Fremden am besten ausnutzen könnte. "Je größer Geld, je größer Glück!" dachte
sie und beschloß, vor allem ihr Geld zu zählen, um es damit viele hunderttausendmal zu mehren.
Da sie jedoch eine kluge, berechnende Frau war und einsah, daß zur Unterbringung eines so
ungeheuren Schatzes viele und große Gefäße erforderlich waren, so beschloß sie, zunächst all
ihre Fässer und Wannen, Tiegel und Töpfe, Eimer und Körbe zu leeren, um Raum für den erwarteten
Reichtum zu gewinnen. Wie sie nun über den Hof ging, um die Vorbereitungen dafür zu treffen, fiel
ihr Auge auf ein mächtiges Faß, mit Laugenwasser gefüllt, dessen Inhalt zur nächsten Wäsche
dienen sollte. "Du bist mir gerade recht!" dachte sie bei seinem Anblick; "dich will ich leeren
und bald sollst du einen Schatz bewahren, wie noch kein Faß der Welt!" Damit erfaßte sie das Faß
am Rande und stürzte es um. Spritzend und plätschernd ergoß sich die Flut. Aber wie erschrak die
Frau, als aus dem Plätschern ein Rauschen, aus dem Wässerlein ein Wasser, aus dem Wasser ein
gewaltiger Strom wurde, dessen Fluten sich talwärts wälzten und weit und breit die Niederung
bedeckten. Dort blieb das Wasser stehen und bildete das Becken des Salzigen Sees.
Entstehung - I. (Variante Dr. Willi Ule)
Auf Grund der Auslaugung im Untergrund des Sees (davon zeugt auch der hohe Salzgehalt des Seewassers; umgerechnet eine
2,5m hohe Schicht verteilt auf das Entwässerungsgebiet der Seen) kam es zu Schichtstörungen des
Buntsandsteins an den Seeufern, zu Einstürzen und zur Bildung trichterförmiger Vertiefungen.
Weiterhin verursachte die, durch Umwandlung von Anhydrit in Gips bedingte Hebung des östlichen Geländes
(Gips entsteht durch die Reaktion von Anhydrit mit Wasser, dabei vergrößert sich das Volumen) eine Aufstauchung in den Flußtälern, die das Seebecken durchzogen.
Tiefenbohrungen zur Untersuchung des Kupferschiefers ergaben, daß im Untergrund des Seegeländes
bis nach Eisleben hin eine ausgedehnte und mächtige Masse von Steinsalz liegt. Der große
Wasserverlust durch Salzauslaugung in der Tiefe bedingte eine Senkung der auflagernden Steinsalze
und bewirkte damit an der Oberfläche die Bildung einer Hohlform. Die Auslaugung und die von ihr
verursachte Geländesenkung sind auf das Gebiet des Salzspiegels begrenzt. Dieser verläuft von
Eisleben bis Wansleben ziemlich einheitlich bei 145 –150 m unter NN, also etwa 225 m unter
dem trockenen Boden des ehemaligen Salzigen Sees, entstanden durch unterirdische
Auslaugungen des ehemals hohen Oberteils der Salzmasse.
Die Talsenke der Mansfelder Mulde ist also durch Senkung infolge Salzauslaugung entstanden.
Entstehung - II. (Variante nach Professor von Fritsch)
Süßer und Salziger See sind Überbleibsel früherer Flußläufe. Anhaltspunkte dafür sind die
regelmäßigen rinnenartigen Vertiefungen der Seen. Höchstwahrscheinlich
wandte sich die Unstrut vom Einfluß der Helme aus dem jetzigen Mansfelder Land zu, durchfloß
die jetzt vom Salzigen See eingenommene Senke und erreichte im heutigen Salzkebett die Saale.
Im Geröll des Sees und auch der Salzke findet man Steine, die
ohne Zweifel von der Thüringer Mulde herstammen und nicht durch die gegenwärtigen Gewässer
herangeschafft worden sein können.
Als sich der sogenannte Hornburger Sattel und seine Nachbarhöhen erhoben, wurde der Unstrut
der bisherige Abfluß versperrt. Die Unstrut suchte sich, nachdem sie im Rieth durch Stauung einen mächtigen
See erzeugt hatte, durch das Freiburger Tal eine neue Mündung.
1887 berechnete man die Menge des Salzes, welches durch die Salzke abtransportiert worden war.
Demnach müssen sich Hohlräume gebildet haben, die gelegentlich zusammenbrachen und trichterförmige
Vertiefungen des Seebodens und auch Senkungen im Uferbereich herbeiführten. Der Salzige See
veränderte sich demnach ständig.
Entstehung - III. (Variante aus bergbaulicher Sicht)
Der Südteil der Mansfelder Mulde zwischen Hornburger Sattel und Halle - Hettstedter
Gebirgsrücken befindet sich in einem tektonisch
(Bewegung, Verschiebung, Aufschiebung von Erdschichten) und stratigrafisch
(zeitliche Abfolge und Formation) besonders beanspruchtem Gebiet. Im Tertiär bildete sich der sogenannten Teutschenthaler Sattel, charakterisiert durch mächtige Kali- und Steinsalzschichten im Untergrund.
Tektonische Beanspruchungen führten zur Bildung des Seegebietes. Dabei übernahm die Tektonik die Funktion einer Leitschiene für das
Heranführen von Wässern, die am Westrand der Mansfelder Mulde versickerten, auf ihrem Weg an
die Oberfläche das Steinsalz des Teutschenthaler Sattels auflösten und im Kreuzungsbereich an
der Hornburger Tiefenstörung als Solgewässer an die Tagesoberfläche traten. Der unterirdische
Substanzverlust an Steinsalz zeigte sich über Tage als Senkungsbetrag. In die so entstandene
Senkungswanne lagerten sich Verwitterungsmassen aus den sie umgebenden Höhenzügen ab, über
denen sich letztlich die Mansfelder Seen herausbildeten.
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